Berliner Weiße Gipfel 2016

Eine Weiße kommt selten allein. Davon konnten wir uns am Samstag auf dem Berliner Weiße Gipfel überzeugen, den die Berlin Beer Academy bereits zu dritten Mal veranstaltete. In den Räumen der ehemaligen Willner Brauerei am nördlichen Ende der Schönhauser Allee warben über 40 Berliner Weiße Sorten um die Gunst der Besucher. Welche uns am besten geschmeckt hat? Schwierig! Immerhin kann ich berichten, dass Herr D. aka „der Weiße-Skeptiker“ nun die Seite gewechselt hat und Fan geworden ist. Mission erfüllt, sag ich mal!

Hierzulande zur süßen Sirupbrause mit Schwips degradiert, hat die Berliner Weiße zum Beispiel in den USA längst wieder ihre Fans und auf dem Markt reißenden Absatz gefunden. Spätestens seit die Slow Food Stiftung im November 2014 die Berliner Weiße zum bedrohten kulinarischen Welterbe kürte und ihr einen Platz in der „Arche des Geschmacks“ für bedrohte, regionale Nahrungsmittel einräumte, geht es für das Traditionsgetränk auch in Deutschland wieder bergauf. Ebenso Dank des Engagements von Berlin Beer Academy-Gründerin Sylvia Kopp und ihren eifrigen Mitstreitern, allen voran Brewbaker, Bogk-Bier und Lemke.

Entstanden ist dieser Bierstil übrigens zu einer Zeit, als es noch keine Kühltechnik gab. Für die klassische Berliner Weiße werden Gersten- und Weizenmalze mit obergärigen Bierhefen und Milchsäurebakterien vergoren. Wichtigste Mitspielerin beim zweistufigen Gärverfahren des Brauvorgangs ist die Brettanomyces-Hefekultur, die den komplexen, säuerlichen Geschmack erzeugt. Bei der Brettanomyces handelt es sich um eine Wildhefe vor der viele Brauer Respekt haben: Denn sie hat den Ruf unkontrollierbar und ungestüm Brauanlagen zu verwüsten und andere Biere ungenießbar zu machen. Mutige vor! Wir freuen uns auf einen Weiße-getränkten Sommer!


Bei Sonnenschein schmeckt die Berliner Weiße übrigens besonders gut!


Zwei Schönheiten von der Insel Rügen: Die „Meerjungfrau“ wird mit Champagnerhefe gebraut und ist einer meiner Lieblinge. Das wild gebraute „Seepferd“ hat eine sehr trockene und intensive Säure.

Viel informatives über die niederländische Bierkultur und die Entwicklungen in den letzten 20 Jahren hatten die Jungs von Jopen Bier zu berichten. Ihre „Coastal Gose“ mit Seetang stach auf alle Fälle heraus. Meersalzaromen passen ganz hervorragend zu Sauerbieren!


Die Meierei in Potsdam experimentiert seit 2004 mit der Berliner Weiße und hat eine eigene Hefebank angelegt. Mit Erfolg, wie wir finden! Ihre Potsdamer Weiße wird ohne Hopfen gebraut und hat ein besonders feines Aroma.


Sauer macht lustig und Appetit. Gut das es den Gipfel-Burger von Felicitas Then gab: Pulled Eisbein in Berliner Weiße geschmort mit buntem Sauerkraut-Salat, Wunderlauch, Elstar-Apfel und Erbsen-Speck-Creme.

Brauerei-Tausch bei Heidenpeters und Buddelship: „Zwei Brauereien brauen zusammen ein Bier in Anlehnung an eine traditionell hergestellte Berliner Weisse. Einmal in Hamburg, einmal in Berlin!“ Die „Hamburger Weisse“ ist kaltgehopft mit angenehmer Perlung und feiner Säure. Wir haben zwei Flaschen mit nach Hause genommen.

Aus dem schönen Estland angereist war Põhjala mit der Brauerin Charlotte Cook. Ihre Berliner Weisse mit Stachelbeeren zieht einem die Mundwinkel nach oben. So gut, so sauer, so lecker!


Am Vagabund Stand mein Favorit das „Sehr-Sehri Sour“, gebraut mit einem aus der Türkei bezogenen Granatapfelsirup und dann im Holzfass gelagert.


Bei BRLO gab es die Weisse mit Strippe, einem Kümmelschnaps von der Preussischen Spirituosen Manufaktur. Ein Schuss davon ins Bier treibt die zarten Promille nach oben, wärmt und macht lustig.


Oedipus aus Amsterdam zeigte sich besonders kreativ und hatte gleich vier Weiße und eine Gose mit nach Berlin gebracht. Auch bei der Bier-Namensgebung hatten sie sich etwas einfallen lassen: Einmal „Salty Dick“ und „Gandalf The Pink“, bitte!


Kurz weg von der „klassischen“ Weißen: Sebastian Sauer – halb Freigeist Bierkultur, halb Monarchy Beer – liebt es alten, angestaubten oder gar vergessene Bierstilen neues Leben einzuhauchen. Sein Adambier – einmal mit und einmal ohne Holunderbeeren – hat uns zum Abschluss des Gipfelbesuchs mit leckeren Röstmalzaromen und einer präsenten Säure noch einmal viel Spaß gemacht.

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In der Willner Brauerei wurde bis nach der Wende gebraut. Heute ist sie ein Industriedenkmal und u.a. Kreativzuhause für Künstler und das Bogk-Bier.

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