Berliner Bier-Adventskalender #1: Ein Hefemonster

So funktioniert’s: Jeden Tag bis Weihnachten wird in der Casa Smámunir ein Bier aus Berlin geöffnet, beschnüffelt, probiert und bewertet. Alle Biere stammen aus kleinen, kreativen Brauereien und werden größtenteils handwerklich hergestellt (man darf auch Craft Beer dazu sagen). Davon gibt es in der Stadt inzwischen unüberschaubar viele, doch in den Smámunir-Kalender werden nur solche Brauer aufgenommen, die auch in Flaschen abfüllen. Manch geschätzter Klein-, Mikro- oder Gypsybrauer – Eschenbräu und Vagabund etwa – muss deshalb leider außen vor bleiben. Neben der Flaschenabfüllung gilt als zweite Regel, dass die Brauerei ihren Sitz in Berlin haben muss. (Eine wenige haben keine eigenen Brauanlagen und brauen deshalb auswärts. Das ist o.k., so lange ein deutlicher Berlin-Bezug erkennbar ist und die Qualität stimmt!) Alle Biere werden bei der Verkostung anhand von Aussehen, Geruch und Geschmack benotet. Am Ende, so die Hoffnung, steht ein Kaleidoskop an Hopfenerzeugnissen von der Spree, das die neue Biervielfalt der Stadt wiederspiegelt. Und natürlich: Der Smámunir-Weihnachts-Bierchampion!

Welches Bier macht also den Anfang? Nach mehreren Einkaufsexkursionen (bei Hopfen & Malz und Biererei) wurden die erworbenen Flaschen verpackt und nach dem Zufallsprinzip durchgemischt. Als Nummer eins entpuppte sich ein Bier eines alten Smámunir-Favoriten. Johannes Heidenpeter braut im Keller der Markthalle Neun in Kreuzberg. In der Halle selbst gibt es eine Theke, an der fast jeden Tag Frischgezapftes von ihm ausgeschenkt wird.

Heidenpeter ist eigentlich Künstler, seine Bierkreationen sind deshalb oft unkonventionell und unangepasst. Doch der Wechsel von der Leinwand zu Hopfen und Malz ist dem Quereinsteiger gelungen: Einige seiner Biere gehören zu den Besten, die es in Berlin zu trinken gibt. Deshalb war die Vorfreude groß, als sich das India Pale Ale in der Heidenpeterschen German Style-Interpretation aus dem Papier schälte. Doch – um das Fazit vorwegzunehmen – dieses Bier wird nicht unser Liebling aus dem Markthallenkeller. Zu aufdringlich sind die Noten der Brauhefe („Hefemonster!“, meint Ms. Smámunir), um wirklich großen Gefallen zu finden.

#1: Heidenpeters India Pale Ale (German Style)

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Stil: India Pale Ale, obergärig
Alkoholgehalt: 6,0 Prozent
Malz- und Hopfensorten: Gerstenmalz, deutscher Hopfen (keine genaueren Angaben)
Brauort: Markthalle Neun, Berlin-Kreuzberg

Aussehen: Farbe von gold-gelbem Sommerhonig, reichlich feine Perlung, Schaumkrone zerfällt schnell, klar und ansprechend gestaltetes Flaschenetikett (Herr D.: 7/10, Ms. Smámunir: 6/10)

Riecht nach: Kräutern, Gras, Grapefruitschale, Backhefe (Herr D.: 6/10, Ms. Smámunir: 4/10)

Schmeckt wie: unreife Birne, Grapefruit, Schwefel, Hefepilz, Lakritz im Abgang (Herr D.: 3/10, Ms. Smámunir: 3/10)

Gesamtnote: 4,9 von 10

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