Adegga WineMarket & ein Abendessen im XXenia.

Mit einem “Cheri, ich führe dich aus!” konnte ich Herrn D. Mitte September schnell dafür begeistern den Einheitsabend mit mir außer Haus zu verbringen und ein unbekanntes Restaurant auszuprobieren. Auf die Idee hatte mich das Stadtmenü gebracht, das vom 28. September bis 04. Oktober bereits zum zweiten Mal im Rahmen der Berlin Food Week stattgefunden hat. In diesem Jahr boten 50 über die Stadt verteilte Restaurants ihre Menü-Kreationen zum Thema Krautwende an. Für Hungrige wie uns eine super Gelegenheit, neue Küchen kennen zulernen. Nach Durchsicht des Programms war unser Favorit schnell gefunden und ein Tisch reserviert.

image

Nachdem wir den Samstagnachmittag bereits auf dem Adegga WeinMarket verbracht und portugiesische Weine eingekauft hatten, machten Herr D. und ich uns irgendwann nach 18 Uhr mit der S-Bahn auf den Weg zum verabredeten Abendessen. Am Potsdamer Platz mussten wir nach einiger Wartezeit ungeplant ein Taxi kapern, da alle 200er Bus irgendwo in Mitte stecken geblieben zu sein schienen. Nach kurzer Fahrt wurden wir pünktlich um 19 Uhr vor der Tür des Hotel Pullmann Berlin Schweizerhof abgesetzt. Links vom Hoteleingang befindet sich das Restaurant XXenia, unser Ziel an diesem Abend.

Im Restaurant wurden wir freundlich begrüßt und bekamen einen schönen Tisch an der großen Fensterfront zur Budapester Straße hin. Während wir beim Aperitif noch über den Namen des Restaurants rätselten, wurde auch schon ein Gruss aus der Küche serviert. Neben einem fein abgeschmeckten Kürbissüppchen gab es ein Stück Wachtelbrust, hübsch auf einem Löffel angerichtet. Bezüglich des Restaurantnamens haben wir eine Vermutung: Der Name Xenia leitet sich vom griechischen Wort ξενία – bedeutet die Gastfreundliche – ab. Passt schon mal, denn

Gastfreundschaft kann das Restaurantteam im XXenia. Wir haben uns den ganzen Abend über nett umsorgt gefühlt und darüber gefreut, dass nebenbei noch Gespräche über das leckere Essen und die Weine drin waren. Sehr angenehm!

image

Der erste Gang des Menüs war asiatisch inspiriert. Die gekräuterte Saiblingsrolle mit Kimchi vom Kohlrabi, geröstetem Mais und ein paar Knusperkomponenten war ein erfrischender Auftakt, dessen delikaten Sud wir bis auf den letzten Tropfen ausgelöffelt haben.

Auf den nächsten Gang hatten wir uns schon im Vorfeld sehr gefreut: Geräucherte Weißwurst vom Zander auf einem Klecks Blutwurst, wunderbarem Champagnerkraut und Pommeryschaum angerichtet. So toll!
Mit seinem trockenen Auftritt und einer eleganten Mineralik passte der dazu gereichte Weißwein von der Kaiser Weinmanufaktur aus Rheinhessen (2012 Kaiser Cuvée G&M “pur Mineral”) sehr gut zu den säuerlich-erdig-süßen Aromen des zweiten Gerichts.

image

 

Das Hauptgericht war übrigens einer der Gründe, warum wir uns für ein Abendessen im XXenia entschieden hatten. Serviert wurde zweierlei vom Kalb. Einmal als perfekt gegartes Filet auf jungem Grünkohl und einmal als Kalbsbäckchen auf Rotweinzwiebeln. Wir sind große Bäckchen-Fans und freuen uns über jedes Restaurant, das es wagt, auch dieses Teil des Tiers auf die Karte zu setzen. Geschmort sind Kalbsbäckchen ein Gedicht und so wurde unser Gespräch eine Weile von Hhmjams, Ah’s und Ohja’s abgelöst. Der korrespondierende Rotwein (2008 Kaiser Cabernet Dorsa “pur mineral”) hatte eine schöne rubinrote Farbe, duftete nach Pflaume und Kirsche, auch hier machte eine elegante Mineralik den Wein wieder zu einem guten Begleiter.

image

Den Nachtisch haben wir liebevoll Schokoladensturm genannt: In einer massiven Halbkugel aus weißer Schokolade kuschelten sich saure Kirschen an süße Aprikosen und einen köstlichen dunklen Schokoladenbiskuit. Obendrauf platziert, thronte eine Kugel Kirschsorbet, während sich unter der Halbkugel dunkle Schokoladenschlangen über den Teller wunden, die beim Servieren mit einer warmen Schokoladensauce übergossen wurden. Im Mund vereinten sich die einzelnen Komponenten zu einer Geschmacksexplosion mit Gefahr von Schokoüberdosis. Das zum Dessert empfohlene Glas Champagner wäre sicher eine gute Wahl gewesen, auch um die Frische des Sorbets noch weiter hervorzuheben und den Schokoladensturm im Mund ein bisschen zu bändigen. Wir begnügten uns mit einem Espresso zum Abschluss, die dazu gereichten Rosinenplätzchen konnten wir nur noch satt anlächeln. Lecker sahen sie aus und wir waren uns sicher, dass wir später inspiriert und glücklich einschlafen würden. Was für ein schöner Abend!

Küchenchef im XXenia ist Steffen Sinzinger der auf seinem Blog Berliner Speisemeisterei immer wieder interessante Einblicke in die Entwicklung von seinen gut komponierten Gerichten und die Kartengestaltung eines gehobenen Restaurants gibt. Aber aufgepasst, bloß nicht hungrig lesen!

Kommentar verfassen